Weinkunde
Lassen Sie uns ein wenig über den Wein und den Genuß des Weines plaudern.
Viele von Ihnen haben bei uns und sicher auch schon anderswo an einer Weinprobe teilgenommen. Wir konzentrieren uns bei unseren Weinproben immer auf die Weine, die wir vorstellen und dehnen dies nicht allzuweit aus. Doch, Wein zu verkosten, muß man auch lernen. Dann nämlich kann man sich ein sicheres Urteil über einen Wein bilden.
Also, worauf kommt es an?

Die Farbe des Weines
Rot ist nicht Rot, das wissen Sie. Doch aus dem Rot des Weines können Sie einiges ableiten. Die meisten Rotweinsorten in Deutschland sind eher purpurrot und etwas hell. Die Rotweine aus dem Mittelmeerraum sind dunkel, einige können als rubinrot bezeichnet werden. Das kommt daher, daß die Trauben viel Sonne getankt haben und daß deshalb in den Schalen, aus denen die Farbe ausschließlich kommt, die Farben intensiver entwickelt sind. Junge Rotweine - also in ihren ersten Lebensjahren - sind eindeutig rot gefärbt, im Alter haben sie dann eine leicht bräunliche Färbung. Viele Rotweine sind lange Jahre lagerfähig, Voraussetzung ist eine nahezu konstante Lagertemperatur zwischen 10 und 15 Grad C, die über das Jahr nicht um mehr als 5 Grad C schwanken sollte.
Weißwein wird fast immer jung getrunken. Es gibt Ausnahmen, aber die sind in den meisten Fällen von den klimatischen Verhältnissen des Jahrgangs abhängig.
Sehr frischer Weißwein hat eine grünlich schimmende Gelbfärbung, recht hell. Mit zunehmendem Alter verschwindet der Grünschimmer, die Gelbtöne nehmen zu. Sie können so einen Weißwein recht gut beurteilen. Halten Sie das Glas schräg gegen eine helle Fläche. Sie sehen dann die Farbe ganz deutlich.
Der Geruch des Weines
Wie bei den Weißweinen, so wird auch bei den Rotweinen mit der Nase und dem Mund beurteilt. Die Nase spielt dabei eine stärkere Rolle als bei den Weißweinen; denn Rotweine, insbesondere aus Südeuropa, haben schon erhebliche Geruchsnuancen. So spricht man von reifen Waldfrüchten, von dunklen Beeren, hauptsächlich von Brombeeren, aber auch von reifen Kirschen, von Leder und Tabakblättern usw.
Im Gegensatz zum Weißwein entwickelt Rotwein den für ihn typischen Geruch sehr langsam, weil er seine Temperatur braucht und mit Sauerstoff in Berührung kommen muß. Weißweinen kann man nicht die Zeit lassen, denn sie werden dann zu warm zum Trinken und verlieren an Wert.

Der Geschmack des Weines
Rotweine werden immer wärmer getrunken als Weißweine. Da gibt es eine kleine Faustregel, die besagt, daß junge, einfache Rotweine kühler sein dürfen, ältere und hochwertige aber immer bei Temperaturen um 18 Grad C serviert werden sollen.
Rotweine werden länger ausgebaut als Weißweine, zumindest in über 90 % aller Fälle. Ein Rotwein, der über Monate im Barrique (kleines Eichenfaß) war, schmeckt nicht jedem, besonders wenn er noch relativ jung ist. Deshalb lassen die Winzer, deren Weine wir beziehen, den Wein nach der Abfüllung noch über mehrere Monate in der Flasche ruhen und weiterreifen.
Die Tannine im Rotwein ziehen einem den Gaumen etwas zusammen. Das darf nicht zu ausgeprägt wahrgenommen werden, denn dann ist der Wein entweder noch sehr jung oder nicht völlig ausgegoren, dann wird er sicherlich nicht sehr alt. Im Laufe der Jahre wird der Wein im Geschmack milder, die Tannine sorgen für eine langsame und schonende Alterung eines guten Rotweines.
Man beschreibt heute den Geschmack eines Weines mit blumigen Begriffen. Das hat durchaus eine Berechtigung, denn in jedem Wein sind, abhängig von der Bodenbeschaffenheit, der Sorte und dem Klima unterschiedliche Geschmacksstoffe enthalten. Weißweine können nach Blüten von Sommerblumen, von Obstbäumen und Früchten duften. Man spricht von der ‚Nase‘. Wenn Sie also Beschreibungen lesen, in denen diese Bezeichnungen vorkommen, dann versuchen Sie, sich diese Düfte vorzustellen.
Sie schmecken mit der Zunge und dem Gaumen, aber auch die Nase trägt ihren Anteil dazu bei. Man schmeckt süß, sauer, bitter, aber man stellt die Frucht des Weines mit der Nase fest. Die Süße ermittelt man mit der Zungenspitze, Säure stellt man an den Zungenrändern fest und die Bitterstoffe eines Weines bemerkt der Gaumen. Dort bleibt auch der Eindruck des Gesamtgeschmacks des Weines hängen, wenn Sie einen Schluck getan haben. Das ist der sogenannte ‚Abgang‘. Ein einfacher Wein bleibt nicht lange ‚im Mund‘, wie die Winzer sagen, anspruchsvolle Weine können durchaus zwischen 5 und 10 Sekunden geschmacklich erhalten bleiben.

Lagerung
Rotweine werden länger ausgebaut als Weißweine, deshalb kann man sie in der Regel auch länger lagern. Was Rotweine im gesetzten Alter oft haben, ist ein Depot oder Weinstein, der auch - selterner - bei Weißweinen vorkommt.
Schütten Sie nie einen Rotwein weg, wenn am Boden der Flasche ‚Fremdkörper‘ zu erkennen sind. Öffnen Sie die Flasche vorsichtig, behandeln Sie sie sorgfältig und gießen Sie sie nicht zu schnell aus bzw. dekantieren Sie den Wein mit Hilfe eines Dekanters, dann bleibt das Depot oder der Weinstein meistens unten in der Flasche oder teilweise am Boden des Dekanters. So etwas finden Sie nie in Massenweinen, denn dort ist der Gärvorgang frühzeitig beendet worden, eine weitere Entwicklung des Weines in der Flasche ist ausgeschlossen.
Der Verschluss und das Öffnen
Jedem ist es sicher schon passiert, daß er einen Korken hatte, den man schon beim Öffnen der Flasche gerochen hat. Das ist sehr unangenehm, denn wenn der Korken schlecht riecht, ist der Wein in der Flasche in den allermeisten Fällen ungenießbar. Beobachten Sie es, ein Weinliebhaber wird immer erst am Korken riechen. Der Geruch von schlechten Korken ist penetrant, jedesmal ein Jammer. Aber Kork ist halt ein Naturprodukt, und der Bestand an Korkeichen nimmt leider ab. Deshalb verwendet man teils synthetische Korken, Schraubverschlüsse oder gar schon Kronenkorken. Dies allerdings nur bei einfacheren Weinen, deren Lagerfähigkeit ohnehin nicht sehr hoch ist. Bei hochwertigen Weinen achtet der Winzer auf erstklassige Qualität der Korken und gibt dafür auch etwas mehr Geld aus. Die Wahrscheinlichkeit, daß dann ein Korken verdirbt, ist relativ gering, es kommt aber vor. Mit Korken aus Glas experimentiert man derzeit noch, eine gesicherte Aussage über die Bekömmlichkeit für den Wein gibt es noch nicht.

Plopp
Das andere Thema ist das Öffnen einer Weinflasche. Zugegeben, es klingt lustig, das ‚Plopp‘, wenn ein Korken schnell und mit großer Kraft aus der Flasche gezogen wird. Es mag ja auch ein Teil von Geselligkeit dahinterstecken, aber der Wein in der Flasche ist der Leidtragende einer solchen Aktion. Er ‚erschrickt‘ regelrecht, d.h. er verliert an Qualität. Nicht umsonst soll man Wein erst einmal lagern, bevor man ihn trinkt, damit er sich beruhigt. Durch das ‚Plopp‘ geht alles verloren, man könnte dann gleich vor dem Öffnen der Flasche eine längere Autofahrt mit dem Wein unternehmen. Wir möchten Ihnen den Spaß nicht verderben, aber wir gehen davon aus, daß Sie Wein kaufen, um ihn zu genießen. Also öffnen Sie die Flasche vorsichtig, entfernen Sie vorher auch die Verschlußkappe mit einem - an guten Korkenziehern vorhandenen - Messer. Ein guter Korkenzieher zeichnet sich übrigens dadurch aus, daß er eine ‘Seele‘ hat, d.h., man kann ein Zündholz der Länge nach durch die Spirale schieben.
Wenn Sie Rotwein richtig genießen wollen, öffnen Sie die Flasche 2 Stunden, bevor Sie ihn trinken wollen. Wenn Sie dazu keine Zeit haben, dekantieren Sie ihn oder nutzen Sie den Ballpourer II, den Sie bei uns beziehen können. Wir haben mehrfach darüber geschrieben, Interessenten schicken wir gerne unsere Beschreibung mit der Funktionsweise zu.
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